Zahnersatz besser heute als morgen?

Zahnersatz besser heute als morgen?

Autor: Sonntagsnachrichten
erschienen in den Herner Sonntagsnachrichten:

Zum Thema Änderungen in der Versicherung bei Zahnersatz nimmt Zahnarzt Dr. Markus Willmes im Interview mit den Sonntagsnachrichten Stellung.

SN:
Sehr geehrter Herr. Dr. Willmes, viele Patienten und Versicherte fragen sich, ob sie ihren Zahnersatz in diesem, im nächsten oder besser im übernächsten Jahr machen lassen sollen und welche finanziellen Mehrbelastungen dabei auf sie zukommen.

Dr. Willmes:
Grundsätzlich ist es so, dass man den Zahnersatz nach dem medizinischen Bedarf anfertigen lassen soll. Es sollte klar sein, ob eine Versorgung notwendig ist oder nicht.

Im nächsten Jahr wird es eine Änderung der Gebührenordnung für Kassenpatienten im Bereich des Zahnersatzes und bei anderen Leistungen geben. Allerdings ist die Leistungsbeschreibung dieser neuen Gebührenordnung noch nicht veröffentlicht, obwohl sie schon zum 1. Januar 2004 in Kraft tritt. Das heißt, zur Zeit kann niemand sagen, welcher Leistungsumfang hinter gewissen Positionen steckt. So ist es momentan noch völlig unklar, was teurer oder günstiger wird und was nicht. Warum manche Krankenkassen vorgeben, bereits über entsprechende Informationen zu verfügen ist mir unverständlich, da derzeit alle den gleichen Wissensstand haben.

SN:
Sind mit den Änderungen größere finanzielle Belastungen für die Versicherten verbunden?

Dr. Willmes:
Ich persönlich rechne nicht mit größeren finanziellen Belastungen im nächsten Jahr. Die Änderungen werden im Bereich des Zahnersatzes eher von geringfügiger Bedeutung sein. Im Bereich der konservierend-chirurgischen Behandlungen ist der Änderungsumfang wesentlich größer. Hiervon sind die Versicherten aber nicht direkt betroffen, da es sich um Leistungen handelt, die über die Versichertenkarte abgerechnet werden.

SN:
Was erwartet die Versicherten denn ab 2005?

Dr. Willmes:
Ab 2005 wird es eine Änderung der Finanzierung des Zahnersatzes geben. Die Versicherten werden im Wesentlichen ihre Zahnersatzabsicherung selber zahlen müssen. Der Finanzierungsanteil durch den Arbeitgeber entfällt. Was sich auch ändern wird, ist die Umstellung von der prozentualen Bezuschussung auf ein Festzuschusssystem. Allerdings kann man sich denken, dass für zehn Euro pro Monat, wobei Kinder ja mitversichert sind, der Leistungsumfang nicht großartig ausgeweitet werden kann.

SN:
Was bedeutet denn der Unterschied zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung im Bereich des Zahnersatzes?

Dr. Willmes:
Wir haben es in der Abrechnung zahnärztlicher Leistungen grundsätzlich mit zwei unterschiedlichen Gebührenverzeichnissen zu tun. Die privat erbrachten Leistungen werden nach der Gebührenordnung für Zahnärzte abgerechnet. Die im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung erbrachten Leistungen, auch die bisherigen Zahnersatzleistungen, werden nach einem bundeseinheitlichen Bewertungsmaßstab abgerechnet. Dieser wird im kommenden Jahr geändert. Die Zahnheilkunde bietet natürlich einiges mehr, zum Beispiel Implantate, unterschiedliche Brücken- und viele Kronenarten. Dies alles muss dann nach der privaten Gebührenordnung berechnet werden. Ab 2005 ist also nicht zu erwarten, dass Leistungen, die bisher privat abgerechnet wurden, auf einmal Bestandteil dieser neuen Zahnersatzversicherung sind. Dies ist aus Kostengründen nicht zu erwarten. Es wird wahrscheinlich so sein, dass es weiterhin eine Mehrkostenregelung gibt.

SN:
Welches Fazit können Sie für unsere Leser ziehen?

Dr. Willmes:
Die Patienten sollten sich durch die momentanen Umstrukturierungen nicht verunsichern lassen. Hauptziel ist eine vernünftige medizinische Versorgung. Die medizinische Notwendigkeit sollte auch die Grundlage für Zahnersatzbehandlungen sein. Man sollte sich nicht dahingehend verunsichern lassen, dass erhebliche Mehrbelastungen zu erwarten sind. Es handelt sich im wesentlichen um eine finanzielle Umverteilung zu Lasten der Versicherten unter Ausschluss des Arbeitgebers ab 2005 zur Senkung der Lohnnebenkosten. Sie sollten vertrauensvoll mit Ihrem Zahnarzt darüber sprechen, ob ein Zahnersatz jetzt oder in nächster Zeit überhaupt notwendig ist.

SN:
Vielen Dank für das Interview.