Welche Zahnpasta ist richtig

Tipps für Ihre Mundgesundheit

Autor: Dr. Arnold Paul
erschienen in den Herner Sonntagsnachrichten:

Die am weitesten bekannten und verbreiteten Zahnpflegemittel sind Zahnbürste und Zahnpasta. Mit einer normalen Zahnbürste und einer guten Putztechnik erreicht man 80 – 90% der angestrebten Reinigungswirkung.

Lediglich für den Rest ist die Zahnpasta verantwortlich. Es kommt also mehr auf die richtige Putzbewegung an, als auf die Zahncreme, wenn die Zähne sauber werden sollen. Trotzdem wird für Zahnpasta mehr Reklame gemacht, als für Zahnbürsten und so mancher denkt: Viel hilft viel, wenn ich mehr Zahnpasta nehme und kräftiger schrubbe, bin ich doch schneller fertig.

Leider kann man – wie immer – durch Übertreiben auch Schaden anrichten. Eine ganze Menge Patienten kommt heute in die Praxis und klagt über temperaturempfindliche Zähne. Manche haben auch schon Rillen in den Zähnen, in denen man mit dem Fingernagel hängen bleiben kann, vorwiegend an den Eckzähnen und vorderen Backenzähnen. Wie kommt es zu solchen Zahnschäden?

Zahnpasta enthält neben anderen Inhaltsstoffen wie Wasser und Geschmacksstoffen auch den sogenannten Putzkörper, ein mehr oder weniger feines Schleifmittel, das der Bürste mithelfen soll, die Beläge von der Zahnoberfläche abzupolieren. Beim Putzen entsteht so eine gewisse Scheuerwirkung, die nicht nur die Beläge abträgt, sondern auch die oberste Schicht des Zahnschmelzes abpolieren kann. Je nachdem wie viel Druck ausgeübt wird, entsteht ein merkbarer Substanzverlust, der Schmelz wird dünner! Das betrifft besonders die Außenflächen der Seitenzähne und den Eckzahn, weil vorne und außen das Scheuern leichter geht als auf der Gaumen- oder Zungenseite. Wer viel „schrubbt“, scheuert also mit der Zeit den Schmelz durch und legt darunter das Dentin frei. An den Zahnhälsen (direkt über dem Zahnfleisch ist die Schmelzschicht besonders dünn) ist es zuerst geschafft: Die Zähne werden empfindlich! Autsch! Da hilft in leichten Fällen eine oberflächliche Fluoridierung, sonst nur noch eine Zahnhalsfüllung, z.B. aus zahnfarbenem Füllungskunststoff.

Aber so weit sollte es doch gar nicht kommen. Bitte beim Putzen nicht scheuern, nicht stark drücken und keine zu abrasive Zahnpasta benutzen.

Leider ist nicht bei allen Zahnpasten die Scheuerwirkung schon an der Packung zu erkennen. Wenn Sie beim Zähneputzen das Gefühl haben, Sie hätten feinen Sand zwischen den Zähnen, sollten sie einmal eine andere Zahnpasta ausprobieren. Um die verschiedenen Pasten vergleichbar zu machen, wurde in Versuchen ein sogenannter RDA-Wert (für Dentin-Abrasion) ermittelt. Eine Zahnpasta, die ausdrücklich gegen Beläge eingesetzt werden soll (antibelag) hat einen Wert von 203. Das ist zehn mal so viel, wie eine gängige schonende (sensitive) Zahnpasta, die den RDA-Wert von 20 hat.

Bei einigen Zahnpasten ist dieser Wert inzwischen auf der Packung angegeben. Leider ist das nicht sehr auffällig, sie müssen schon das Kleingedruckte lesen. Ist Ihre Zahnbürste nach einer Woche ausgefranst wie ein alter Stubenbesen oder wenn Sie schon empfindliche Zahnhälse haben, dann sollten Sie eine Zahnpasta nehmen, deren RDA-Wert unter 50 liegt.

Ihre Zähne sollen doch ein Leben lang halten.

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