Schiefen Zähnen vorbeugen 1

Tipps für Ihre Mundgesundheit

Autor: Dr. Gisela Zehner
erschienen in den Herner Sonntagsnachrichten

Für eine harmonische Entwicklung des kindlichen Mundraumes sind ein gleichmäßiges Zusammenspiel von Zungen-, Wangen- und Lippenmuskeln und eine gute Nasenatmung erforderlich. Wenn dieses Gleichgewicht gestört ist, können die Zähne und Kieferknochen des Kindes nicht gerade wachsen und es kommt zur Verformung der Kiefer mit Zahnfehlstellungen.

Die kieferorthopädische Prophylaxe beginnt bereits im Säuglingsalter mit dem Stillen des Babys. Stillen bewirkt eine gute Entwicklung des Mundraumes, da durch das Saugen an der Mutterbrust der Lippenschluss trainiert und die Zunge beim Schlucken in die richtige Position am Gaumendach gebracht wird. Auch die Nasenatmung wird durch das Stillen angeregt, wodurch das Wachstum der Nasennebenhöhlen und des gesamten Oberkiefers gefördert wird.

Wenn ausreichendes Stillen nicht möglich ist und eine Nuckelflasche verwendet werden muss, ist darauf zu achten, dass der Saugaufsatz eine breite Basis und einen kleinen Saugkopf mit winzigen Löchern hat, ähnlich wie die natürliche Brustwarze. Alle größeren Flaschensauger übertragen beim Trinken zu viel Druck auf den Kiefer und das Baby kann das natürliche Schlucken nicht erlernen. Ein zu großes Loch im Flaschensauger macht es dem Säugling zu leicht, es führt zu einem Erschlaffen der Saugmuskulatur und später zu einer Zungenfehlfunktion mit Lippenschwäche, Mundatmung und Kieferverformung.

Bei übermäßigem Gebrauch der Flasche (Dauernuckeln) kann sich eine Nuckelflaschenkaries bilden, weil der Speichel ständig von den oberen vorderen Zähnen weggespült wird. Das führt zu Entkalkungen dieser Zähne, die dann abbrechen und verfaulen. Deshalb sollte die Nuckelflasche nie als Beruhigungsmittel eingesetzt werden! Am Finger von Mutter oder Vater darf dafür ausgiebig genuckelt werden, wenn das Baby sein Saugbedürfnis nicht allein durch das Stillen befriedigen kann. Um den Saugreflex anzuregen, werden mit Daumen und Mittelfinger die Wangen des Kindes stimuliert, während der Säugling am Zeigefinger der Bezugsperson nuckelt. Die dazu gehörige Zuwendung durch ein Elternteil wird das Kind schnell beruhigen. Das Nuckeln am eigenen Daumen oder Finger des Babys wird dadurch vermieden, was später zur Gewohnheit werden und zu Kiefer- und Zahnfehlstellungen führen kann.

Auch ein Beruhigungssauger kann bei sehr unruhigen Säuglingen verwendet werden, aber man sollte genau prüfen, welcher „Schnuller“ am Besten ist. Es gibt Modelle mit unterschiedlich dickem Schaft. Je dicker der Schaft ist, um so mehr besteht die Gefahr der Kieferverformung – ähnlich wie beim Daumenlutschen. Die natürliche Kieferentwicklung wird am Wenigsten durch einem Sauger mit flachem Schaft behindert, der möglichst geringen Druck auf Kiefer und Schneidezähne des Babys ausübt. Das Lutschteil sollte sehr dünn sein und somit der Zunge genügend Raum lassen. Mit einer fühlbaren Stufe im Schaft, die der Stellung de Säuglingskiefers und später der Schneidezähne des Kindes angepasst ist, erfüllt ein neu entwickelte Sauger in hervorragender Weise diese Anforderungen.

Bis spätestens zum dritten Lebensjahr sollte allerdings jeder Schnuller abgewöhnt werden. Nur so kann die natürliche Entwicklung des Kiefers gefördert werden und ein bereits entstandener offener Biss sich wieder zurückbilden.