Schiefen Zähnen vorbeugen 2

Tipps für Ihre Mundgesundheit

Autor: Dr. Gisela Zehner
erschienen in den Herner Sonntagsnachrichten

Es gibt Kinder, die stets ihren Mund halb offen halten. Die Eltern und Bekannten gewöhnen sich vielleicht an diesen Anblick, ohne dabei Schlimmes zu ahnen. Der fehlende Lippenschluss kann aber negative Folgen für die Kieferentwicklung haben, weil die Kinder noch wachsen und das Gesicht sich formt. Der ausbleibende Druck der Lippenmuskulatur führt zu falschem Wachstum der Kiefer mit Ausformung eines schmalen und spitzen Gaumens, unnatürlicher Mundatmung und Verkümmerung der Nasennebenhöhlen. Die Folgen sind eng stehende Zähne, verstärkte Neigung zu Infekten und eine Vergrößerung der Gaumen- und Rachenmandeln. Auch die Zunge verändert ihre Lage in dem zu schmalen Kiefer, das führt zu Sprach- und Schluckstörungen. Spätestens bis zum Schulbeginn, besser noch früher, sollte deshalb jedes Kind lernen, den Mund geschlossen zu halten.

Die offene Mundhaltung mit Kieferverformung entsteht nicht selten durch den Gebrauch eines Beruhigungssaugers (Schnuller) mit zu dickem Schaft. Jeder Sauger muss bis zum dritten Lebensjahr abgewöhnt werden.

An der Aktion der „Schnullerabgabe“ ist das Kind aktiv zu beteiligen, und Ihr Zahnarzt kann dabei behilflich sein. Das Kind wird mit Hilfe von Handpuppen und Geschichten zu Hause gut vorbereitet, seinen lieb gewordenen „Tröster“ abzugeben. Von der Schnullerfee, die nachts für den Schnuller ein kleines Geschenk bringt, gibt es sogar ein Kinderbuch. Wenn der kleine Patient den Sauger dann selbst in der Zahnarztpraxis abgibt und danach auch keinen Ersatzschnuller mehr bekommt, gelingt das Abgewöhnen meistens recht gut.

Hat sich bereits eine Kieferfehlstellung gebildet oder das Kind sich angewöhnt, durch den Mund zu atmen und die Zunge zwischen die Zahnreihen zu legen, ist als Ersatz für den Schnuller oder auch den Daumen eine Mundvorhofplatte angezeigt. Dieser „Schnuller für große Kinder“ wird in der Zahnarztpraxis angepasst, die Kosten dafür werden von den Krankenkassen nicht übernommen. Dem kleinen Patienten werden Übungen mit der Mundvorhofplatte gezeigt, die zu Hause täglich durchgeführt werden sollten. Regelmäßiger Gebrauch kräftigt den Lippenschluss, die Zunge legt sich beim Schlucken an den Gaumen und die Nasenatmung wird gefördert. Damit können sich auch bereits entstandene Kiefer- und Zahnfehlstellungen wieder zurückbilden und eine spätere langwierige Zahnspangenbehandlung kann oft vermieden werden.

Bei größeren Kindern darf zur Umstellung von Mund- auf Nasenatmung und zur Kräftigung der Lippenmuskulatur auch Esspapier verwendet werden. Ein kleiner Streifen von diesen leckeren „Oblaten mit Fruchtgeschmack“ wird zwischen die Lippen gelegt und klebt so die Lippen etwas zusammen. Ist der Streifen aufgeweicht, wird ein neuer verwendet. Diese Übung trainiert den Lippenschluss und die Nasenatmung – und schmeckt auch noch gut. Weitere Möglichkeiten, Lippenschluss und Nasenatmung zu fördern, sind pfeifen, Melodien summen, Getränke immer mit dem Strohhalm trinken oder „Tauziehen“. Das ist eine Übung für zwei Kinder, bei der zwei große Knöpfe mit einem Faden verbunden werden. Jedes Kind hält einen Knopf mit den Lippen fest und der Faden wird angespannt – wer am Besten hält, hat gewonnen.

Viel Spaß beim Ausprobieren!