Refluxkrankheit

Refluxkrankheit

Autor: Klaus Winkelmann
erschienen in den Herner Sonntagsnachrichten:

Bei der Refluxkrankheit handelt es sich um eine Funktionsstörung des Magen-Darm-Traktes, bei der es zu einem Rückfluss von Magensaft (Hauptbestandteil ist Salzsäure) und Speisebrei in die Speiseröhre kommt.

Die Folgen sind Schleimhautschäden, Sodbrennen und das Zurückfließen von Speisebrei in die Speiseröhre. Erreicht der Speisebrei oder die Magensäure den Mundraum, kommt es dadurch dort zum Verlust von Zahnschmelz.

Bei der „stummen“ Refluxkrankheit kommt es auch zur Abtragung von Zahnschmelz an den Zähnen, obwohl kein vorheriges Sodbrennen oder ein Rückfluss von Speisebrei festzustellen war. Durch ein entsprechendes Schädigungsmuster der Zähne kann der Zahnarzt Rückschlüsse auf eine solche Krankheit schließen. betroffen sind die Innenflächen der Zähne, insbesondere die der oberen Frontzähne.

Auch Kinder oder Heranwachsende können die Refluxkrankheit bekommen, die Folgen sind Schäden auch an den Milchzähnen. Deshalb ist auch hier eine Früherkennung durch den Zahnarzt erforderlich.

Stellt der Zahnarzt eine Refluxerkrankung fest, sollte der Hausarzt aufgesucht werden, um herauszufinden, welche weiteren Therapien erforderlich sind. In der Regel verschreibt er ein Medikament mit Protonenhemmern zur milderung der Magensäure, in chronischen Fällen kann eine Operation erforderlich sein.

Bei der Bulimie (Ess-Brechsucht) ist ein ähnliches Schädigungsmuster an den Zähnen zu erkennen, da bei dem häufigen Erbrechen säurehaltiger Speisebrei an die Innenflächen der Zähne gelangt. Hier ist eine Beratung des Patienten durch einen Psychotherapeuten zu empfehlen.

Auch der Verzehr von sauren Nahrungsmitteln (Früchten, Sauermilchprodukten) und Getränken (Eistees, Fruchtsäften, Softdrinks, kohlensäurehaltigen Getränken) kann zur Verstärkung der Zahnschäden führen. Kohlensäurehaltige Getränke und Früchtetees enthalten deutlich mehr Säure als beispielsweise Orangensaft.

Die zusätzliche Einnahme von Medikamenten mit Acetylsalicylsäure wie z.B. Aspirin kann weitere zur Schädigung beitragen. Im Normalfall wird die Säure durch den Speichel neutralisiert. Die im Speichel enthaltenen Mineralstoffe reparieren den angegriffenen Zahnschmelz. Bei starkem Säureüberschuss kommt es hingegen relativ schnell zu einer Aufweichung des Zahnschmelzes.

Bei jedem Kontakt der Zähne mit Säuren sollte daher eine Stunde mit dem Zähneputzen gewartet werden. In dieser Zeit sollte man Kaugummi kauen um den Speichelfluss zu aktivieren. Auch das Spülen mit fluoridhaltigen Spüllösungen ist empfehlenswert.