Tipps für Ihre Mundgesundheit
Autor: Dr. Arnold Paul
erschienen in den Herner Sonntagsnachrichten:
Sicherlich ist Ihnen in der letzten Zeit im Zusammenhang mit Vorbeugung vor Zahnschäden auch schon der Begriff ‚Fissurenversiegelung’ begegnet. Fissuren zu versiegeln ist an sich schon eine alte Idee, aber man hört oder liest erst mehr darüber, seit dem sie in den Katalog der Gesetzlichen Krankenversicherungen aufgenommen wurde (übrigens die einzige positive Neuerung des inzwischen über zehn Jahre alten Gesundheitsstrukturgesetzes). Was ist damit gemeint?
Die Kauflächen der Backenzähne haben ein Muster aus Höckern und dazwischen liegenden Rillen, den Fissuren. Auf dieser Oberflächenform beruht ihre besonders gute Kauwirkung. Obwohl das Muster dieser Fissuren für die verschiedenen Backenzähne eigentlich typisch ist, ist die Ausprägung bei den einzelnen Menschen so verschieden, wie es die Fingerabdrücke sind. Die Form der Fissuren kann von leicht muldenförmig bis tief v-förmig unterschiedlich sein. Es gibt sogar Fissuren, die sich in der Tiefe noch einmal flaschenartig erweitern.
Dass in solchen Vertiefungen eine Reinigung mit Bürste und Zahnpasta schlecht oder gar nicht möglich ist, wird sofort klar, wenn man sich vorstellt, wie dick die Borsten einer Zahnbürste sind. Wenn nun hier Speisereste zurückbleiben, bilden die in der Mundhöhle immer vorhandenen Bakterien damit Säuren, die den Zahnschmelz anlösen und so der Karies den Weg in die Tiefe bereiten. Die meisten Löcher entstehen daher in diesen Fissuren. Besonders gefährdet sind die Zähne unserer Kinder und Jugendlichen, deren Schmelz noch nicht so viel Kontakt mit Fluorid gehabt hat.
Hier gibt es nun eine Möglichkeit, mit einer einfachen Methode der Zahnkaries vorzubeugen: die Fissurenversiegelung. Dabei geht man folgendermaßen vor: zunächst werden die Kauflächen der Zähne maschinell gereinigt, dann getrocknet. Anschließend werden die Fissuren und ihre unmittelbare Umgebung durch Anätzen aufgeraut. In die so vorbereiteten Rillen wird ein Flüssigkunststoff eingefüllt. Dieser breitet sich in den Rillen aus und wird anschließend mit Licht gehärtet. Das hat zwei Vorteile: der Kunststoffüberzug kann von Bakterien nicht angegriffen werden und die tiefen Rillen sind muldenförmig verschlossen und abgerundet. Diese flachen Rillen lassen sich besser putzen als spaltenförmig tiefe. Ein zusätzlicher Vorteil ergibt sich, wenn mit fluoridhaltigem Kunststoff versiegelt wird. Die sehr langsam und gleichmäßig ablaufende Absonderung von Fluorid schützt auch noch die unmittelbare Umgebung der versiegelten Stellen.
Diese Behandlung ist völlig schmerzfrei, es wird dabei auch nicht gebohrt.
Wer braucht eine Versiegelung seiner Fissuren?
Vorwiegend unsere Kinder und Jugendlichen, vor allem diejenigen, bei denen die Rillen sehr tief sind.
Welche Zähne sollten versiegelt werden?
Alle Backenzähne, bei entsprechender Kauflächengestaltung auch die vorderen Backenzähne (Prämolaren) und, soweit vorhanden, die Weisheitszähne.
Was zahlt die gesetzliche Krankenkasse?
Die Kosten werden nur für die ersten und zweiten großen Backenzähne bezahlt und das auch nur bis zum 18. Lebensjahr. Politische Entscheidungen sind halt oft ein Kompromiss.
Wie lange hält eine Versiegelung?
Versiegelungen halten in der Regel lange, viele Erwachsene, die als Kinder eine Versiegelung bekamen, haben diese heute immer noch. Aber Versiegelungen können auch mal defekt werden: Aussprengungen oder Risse bilden den Bakterien eine Nische, in der sie ihr Unheil anrichten. Daher ist eine regelmäßige Überprüfung sinnvoll. Eine Reparatur ist einfach, schnell und schmerzlos.
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